Stadttheater Bremerhaven

Bildnachweis: Sabrina Czak

„Der Graf von Monte Christo“ – fulminante Premiere am Stadttheater Bremerhaven

Bravissimo. „Der Graf von Monte Christo“ in der Musicalversion von Frank Wildhorn, dem Buch und den Texten von Jack Murphy feierte am 21. September 2019 eine fulminante Premiere.

Dem angehende Kapitän Edmond Dantès wird am Tag seiner Hochzeit mit der hinreißenden Mercédès zu Unrecht vorgeworfen, ein napoleonischer Verschwörer zu sein. Noch während der Feier wird er im Kreise der Gesellschaft verhaftet.

Ganze vierzehn Jahre verbringt er im berüchtigten Gefängnis des Château d’If, bevor ihm die Flucht mit Hilfe eines Mithäftlings gelingt. Der Mitgefangene, der ihm ein wahrer Freund geworden ist, verrät ihm das Versteck eines großen Schatzes. Als geheimnisumwobener und reicher Graf von Monte Christo kehrt Dantès in die Pariser Gesellschaft zurück. Getrieben von dem Wunsch nach Rache an den Männern, die ihm alles genommen haben: seine Liebe und die besten Jahre seines Lebens.

In der Bühnenversion, des legendären Abenteuerromans von Alexandre Dumas, erzählt Frank Wildhorn die Geschichte von Liebe, Rache und Vergeltung mit sinnenfroher Musik, rasanten Kampf- und Fechtszenen.

Licht und Schatten

Die Premiere am Samstag im Stadttheater Bremerhaven stand unter der musikalischen Leitung von Davide Perniceni und war für alle Beteiligten ein großer Erfolg. Wer regelmäßig meine Rezensionen liest: Der weiß, dass ich kritisch mit Musicalproduktionen ins Gericht gehe. Der Abend der Premiere, war für mich eine große Überraschung. Es gibt kaum wirkliche Kritikpunkte, die es zu erwähnen gibt.

Doch der Reihe nach: Meistens beginne ich Kritiken mit der musikalischen und gesanglichen Qualität der Aufführungen. Heute möchte ich gerne mit dem Bühnenbild und der Inszenierung anfangen. Die künstlerische Gestaltung stand an diesem Abend unter dem Motto Licht und Schatten. Ich habe selten im Stadttheater Bremerhaven eine Aufführung gesehen, die in großer Breite mit viel Feingefühl und Raffinesse so fulminant gewesen ist.

Das Bühnenbild

Man stelle sich eine offene Schachtel vor. Vom Zuschauerraum kann der Besucher von einer Seite hineinschauen. Inmitten dieser imaginären Schatzkiste spielt sich das Abenteuer von Dumas ab. Das Herzstück der Aufführung ist die große Drehbühne, deren unaufdringlicher Einsatz einen wesentlich Beitrag zum Erfolg der Aufführung leistet.

Mit Zwischenwänden, Projektionsflächen und Zwischenvorhängen brauchte es nur die Schachtel und die Drehbühne um den Betrachter vergessen zu lassen, dass es sich um einen eigentlich einfachen Aufbau handelt. Jede einzelne Szene war passend gestaltet, individuell und zu keinem Zeitpunkt langweilig.

Felix Seiler zeigt sich verantwortlich für Inszenierung und Hartmut Schörghofer für Bühne und Kostüme. Beide haben es mühelos verstanden, vergessen zu lassen, dass es nur einen Bühnenraum gibt und die Illusion erzeugt, jeden Teil der Geschichte in einer gänzlich anderen Szene zu erleben.

Lichtspiel

Für mich war es das erste Mal im Stadttheater Bremerhaven eine Art von Lichtspiel in der Aufführung zu erleben. Zusätzlich zu regulären Theaterbeleuchtung wurden zwei zusätzliche Scheinwerfer auf Augenhöhe an den Rändern der Vorderbühne verwendet.

Die Darsteller haben so jeweils bis zu drei zusätzliche Schatten auf den Bühnenhintergrund geworfen. Es entstand ein ganz eigenes Schattenspiel.

Die Vielschichtigkeit der Charaktere wurde durch das jeweils eigene Schattenspiel ergänzt. Den Zwiespalt der charakterlichen Entwicklung wurde so mit mehreren Schatten der Darsteller plastischer hervorgehoben. Diese Art von visueller und mehrdimensionaler Gestaltung fand ich über die Maßen herausragend. Den Bühnenbildnern des Stadttheaters muss an dieser Stelle ein großes Lob ausgesprochen.

Durch ein Loch in der Decke werden zusätzliche Bühnenelemente herabgelassen. Das Loch wurde bewusst nicht komplett verdeckt, sondern war oftmals deutlich zu sehen. Der Effekt, der dadurch eingetreten ist, vermittelte eine ganz eigene Wirkung auf den Betrachter dahingehend, dass es mich persönlich an eine Blackbox erinnerte, die einen äußeren Einfluss auf das Geschehen ermöglicht.

Erstklassige Stücke hervorragend gespielt

Die musikalische Leitung des Stückes steht in der Verantwortung von Davide Perniceni. Das städtische Orchester hat einmal mehr bewiesen, dass auch anspruchsvolle Partituren kein Problem sind. Trotz leichter technischer Patzer, war es ein akustischer Genuss.

Vikrant Subramanian als Edmond Dantès und Graf von Monte Christo, war für mich die Überraschung des Abends. Das Subramanian den Frauenheld spielen kann, wissen wir spätestens seit Zorro. Nun hat er bewiesen, dass er auch den tiefsinnigen, fast an Verzweiflung grenzenden Racheengel genauso gut verkörpern kann.

Gesanglich gibt es an den Darbietungen der Hauptdarsteller überhaupt nichts zu meckern. Die Duettes waren solide einstudiert und haben harmonisch gut funktioniert. Leider brauchte Anna Preckeler ein paar Zeilen mehr bis sie am Premierenabend in Betriebstemperatur war. Dies hat dem Genuss aber keinen Abbruch getan.

Zu loben ist definitiv auch der Opernchor und die Ensemblemitglieder des Ballettes, die die Aufführung einmal mehr in grandioser Weise unterstützt haben.

Fazit

Ich kann euch den Besuch von „Der Graf von Monte Christo“ nur empfehlen. Erstklassige Musik, eine gelungene Inszenierung und gut aufgelegte Darsteller haben die Premiere zu einem kurzweiligen Abend gemacht.

In dieser Qualität möchte ich gerne mehr Musicalstücke in Bremerhaven erleben. Traut euch noch mehr von Vikrant Subramanian zu zeigen. Vielleicht auch einmal in klassischen Rollen, wie Dr. Henry Jekyll oder Percy Blakeney. Dies würde mich definitiv in eine weitere Premiere locken.

Noch bis zum 10. Juni 2020 könnt ihr das Stück im Großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven genießen. Mehr Informationen zum Stück findet ihr hier.

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