Königin auf Brutwabe mit Arbeiterinnen

Bildnachweis: Sabrina Czak

Bienentagebuch- Teil 11: Bienenkönigin zeichnen

Eine gezeichnete Königin ist leicht zu finden und kann schnell auf einer Wabe identifiziert werden. Einige Imker setzen darauf, jede einzelne Bienenkönigin zu zeichnen. Andere wiederum verzichten komplett auf die Markierung.

In diesem Beitrag zeige ich euch, in welchen Situationen eine gekennzeichnete Königin nützlich ist und gebe euch eine Anleitung in vier einfachen Schritten, sodass die Markierung ohne Schädigungen der Weisel klappt.

Apis mellifera auf Limnanthes douglasii
Apis mellifera auf Limnanthes douglasii

Inhaltsverzeichnis

Der heutige Beitrag über die Zeichnung von Bienenköniginnen ist etwas umfangreicher als bei meinen Blogbeiträgen üblich. Zur besseren Übersicht habe ich euch ein Inhaltsverzeichnis erstellt mit dem ihr euch besser orientieren könnt und schnell zu den gewünschten Informationen findet.

Weshalb zeichnet man Königinnen?

Königin auf Brutwabe mit Arbeiterinnen
Königin auf Brutwabe mit Arbeiterinnen

Die Suche nach deiner Königin ist eine echte Herausforderung. Insbesondere dann, wenn du ein kräftiges Bienenvolk auf vielen Waben hast.

Eine markierte Bienenkönigin ist natürlich eingängiger zu finden und reduziert die Zeit einer Inspektion der Bienenstöcke erheblich. Es gilt je kürzer die Durchsicht, desto weniger Stress haben die Bienen und auch der Imker.

Wann ist es sinnvoll eine Königin zu zeichnen?

Für die wöchentliche Durchsicht des Bienenvolkes ist es nicht immer notwendig, die Königin zu finden. Es gibt viele Merkmale, die dir den Zustand des Volkes und der Bienenkönigin verraten. So ist das Vorhandensein eines gleichmäßigen Brutmusters (kompakte Brutfläche) ein klarer Beleg für eine gesunde Weisel. Darüber hinaus kannst du sehen, dass eine Königin innerhalb der letzten 3 Tage anwesend war, wenn du frische Stifte erkennst.

Jede Änderung am Brutmuster ist ein Hinweis darauf, dass die Bienenkönigin älter wird, stirbt oder durch eine neue Königin ersetzt wurde. Wenn deine Bienen in einer aufgebrachten Stimmung sind, sie deutlich aggressiver vorfindest oder wenn sie unübliche Geräusche machen, ist dies ein Zeichen für das Fehlen einer Königin oder aber einem Problem mit derselben. Natürlich ist die Sanftmut auch durch die Verfügbarkeit von Nahrung und das Wetter abhängig.

Ein guter Test der Anwesenheit einer Königin ist das Klopfen. Halte dein Ohr an die Bienenbeute und klopfe mit der Faust sanft dagegen. Ein stabiles und glückliches Volk bleibt ruhig. Wenn dem Klopfen eine Zunahme der Aktivität folgt und du ein deutlich stärkeres Summen hören kannst, deutet das auf eine fehlende oder schwache Königin hin. Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Weisel verstorben ist oder dass das Volk kurz vor dem Schwärmen steht.

Die Bienenkönigin zu finden ist im Besonderen wichtig, wenn du planst, einen Kunstschwarm zu bilden oder dein Bienenvolk zu teilen. Auf diese Weise stellst du sicher, dass deine Königin in dem alten Volk bleibt. Du kannst sie aber ebenso mit der Aufzucht für dein neu gebildetes Volk betrauen.

Dies ist der Grund für viele Imker, die Bienenkönigin zu zeichnen oder Königinnen zu kaufen, die vorher gezeichnet wurden. Man sollte beachten, dass du deine Völker auch ohne markierte Königin aufteilen kannst, sofern du die Brutwaben gleichmäßig verteilst. In den ersten Tagen weisst du nicht mit Sicherheit, in welchem Stock sich deine Bienenkönigin befindet, aber das ist nur vorübergehend. Denn nach ein einem kurzen Zeitraum schaust du dir das Brutmuster an und erkennst, welches Volk die Königin hat. Dann entscheidest du, ob die weisellose Kolonie eigenständig eine neue Königin aufziehen soll oder ob du eine zugibst.

Neben der Suche nach der Weisel verrät dir eine Markierung auch das Alter. Entdeckst du beispielsweise eine nicht markierte Königin in dem Volk, kannst du dir sicher sein, dass deine gezeichnete alte Weisel ersetzt wurde. Am gängigsten wird nur mit einem farbigen Punkt markiert. Einige Imker bevorzugen es ein kleines Pünktchen mit einer Nummer auf die Bienenkönigin zu kleben. Durch die Nummerierung ist es möglich, die Königin mit hoher Sicherheit zu identifizieren. Diese Methode wird daher häufig in der Forschung und Zucht eingesetzt, da Daten leicht mit einer bestimmten Zuchtkönigin verknüpft werden können.

Die Kernfrage, die du dir stellen musst, ist folglich: Wie genau will ich meine Völker und Königinnen begutachten? Wenn du aktiv versuchen möchtest, die Eigenschaften deiner Völker zu optimieren, oder die Bienen oft teilst, um die Schwarmstimmung zu kontrollieren, und wissen möchtest, welche Weisel sich wo befindet, ist es sinnvoll alle Königinnen zu zeichnen. Sonst ist eine Zeichnung einer Königin nicht erforderlich. Denn aus dem Blick auf das Brutbild lassen sich ausreichend Informationen ableiten. Wenn du bereits viele Stöcke besitzt, ist es schwierig, die Zeit zu finden, alle Königinnen systematisch zu markieren.

Das Zeichnen einer Bienenkönigin

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, anzufangen unsere Königinnen zu zeichnen. Der Hauptgrund dafür ist es u.a., dass wir eine Königin haben, die besondere Sanftmut an den Tag legt, deren Erbgut wir gerne für weitere Völker nutzen wollen. Wir haben uns daher mit der gezielten Nachzucht beschäftigt, deren Grundvoraussetzung ist, dass wir die Königin auch finden und so für Ablegerbildung etc. gezielt nutzen können.

Dafür müssen einige Vorkehrungen getroffen werden, um die Weisel nicht zu verletzen. Wichtigste Grundregel ist es: Markiere deine Königinnen niemals „freihändig“. Das bedeutet, dass du nicht einfach eine Markierung auf sie setzt, während sie sich auf den Waben bewegt. Du könntest der Königin erheblichen Schaden zufügen und dafür sorgen, dass die Arbeiterinnen sie nicht mehr annehmen. Wenn du noch keine Erfahrung mit einer der unten aufgeführten Techniken hast, empfehle ich vorher, an einigen Drohnen zu üben, bevor du deine Königin zeichnest. Dies habe ich auch so gemacht und es gibt einem ein sicheres Gefühl dafür, wie man es am besten bewerkstelligt.

Schritt für Schritt

Das Zeichnen einer Königin hat vier einfache Schritte:

  • Finden der Königin
  • Ruhigstellung
  • Zeichnung
  • Freilassen

Exkurs: Königinnen Zeichnungs-Schema

In der Bienenzucht hat sich ein System der Farbgebung (siehe Übersicht rechts) durchgesetzt, anhand der festgestellt werden kann, in welchem Jahr die Königin gezüchtet wurde.

So lassen sich das Alter verschiedener Königinnen leicht unterscheiden. Jede Farbe steht für die letzte Zahl des Geburtsjahres. So sollte eine 2018 aufgezogene Weisel rot markiert werden, eine Königin von 2019 in Grün.

Eine Bienenkönigin lebt normalerweise drei bis vier Jahre, daher reicht diese Farbgestaltung, die sich alle 5 Jahre wiederholt, aus. Das System ermöglicht es, Königinnen eindeutig zu identifizieren, anhand des Alters, und so sie untereinander austauschen oder verkaufen zu können.

FarbeJahreszahl endet auf…Beispiel
Weiss1 oder 62016
Gelb2 oder 72017
Rot3 oder 82018
Grün4 oder 92019
Blau5 oder 02020

Schritt 1 – Finden der Königin

Zuerst öffnest du den Bienenstock und halte Ausschau nach der Weisel. Die Suche kannst du dir erleichtern, wenn du deine Bienenkönigin im Frühjahr zeichnest. Denn zu Beginn der Saison sind weniger Arbeiterinnen im Volk. Wenn du junge, helle Waben hast, ist die Königin leichter zu finden als bei alten und dunklen Rähmchen.

Versuche wenig oder besser keinen Rauch zu verwenden, da dies die Weisel nervös machen kann und sie sich bis zum äußeren Bereich des Brutnestes verziehen könnte. Das führt nur dazu, dass du mehr Waben herausnehmen musst. Wenn du die Königin gefunden hast, nimm die Brutwabe heraus, auf der sie aufsitzt.

Apis mellifera auf Wabe
Apis mellifera auf Wabe
Abfang- und Zeichenrohr mit gezeichneter Bienenkönigin
Abfang- und Zeichenrohr mit gezeichneter Bienenkönigin

Schritt 2 – Ruhigstellung

Um die Königin zu markieren, sollte sie ruhig gestellt werden. Es gibt dafür verschiedene Werkzeuge. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit dem Bienenfänger gemacht. Daneben nutze ich ein Zeichenrohr.

Exkurs: Bienenfänger & Zeichnungsrohr​

Der Bienenfänger oder auch Abfangclip ist ein kleiner Käfig in Form eines Clips, entweder aus Kunststoff oder Metall. Er wird geöffnet und über die Königin gestülpt. Der Fänger sollte dann langsam und vorsichtig geschlossen werden. Schaue dabei genau hin, wie die Bienenkönigin sich bewegt, damit diese nicht unabsichtlich gequetscht wird. Erst wenn du sicher bist, dass sich die Königin vollständig in den Fänger bewegt hat, solltest du ihn schließen.

Es kann sein, dass einige andere Bienen in den Bienenfänger, gelangen, aber die Abstände Raum zwischen den Gittern ist ausreichend groß, damit die Arbeitsbienen heraus können.

Danach entnimmst du die Weisel und lässt sie in das Zeichnungsrohr krabbeln. Das Ende des Rohres verschließt du mit der Hand, um sicherzustellen, dass die Königin nicht entweichen kann. Erst wenn die Bienenkönigin sich an das andere Ende des Käfigs bewegt(01), setzt du den Kolben ein.

Führe diesen langsam und behutsam durch das Rohr, um die Königin gegen den Boden zu drücken, ohne sie zu quetschen. Dabei muss der Brustkorb der Weisel nach oben gerichtet sein. Dann kannst du sie zeichnen.

Neben diesen beiden Werkzeugen gibt es Varianten, die den Bienenfänger und das Zeichnungsrohr in Kombination anbieten. Die einhändigen Königinnenfänger sollen einfacher zu bedienen sein. Ich persönlich habe solche Werkzeuge bisher nicht ausprobiert und kann hier nur von meinen Erfahrungen berichten.

Exkurs: Königin von Hand fangen

Es gibt neben dieser Methode auch das eigenhändige Fangen der Königin. Das Aufnehmen einer Königin mit den Händen geht schnell, benötigt aber viel Erfahrung und ein ruhiges Händchen. Es braucht viel Vorsicht und sollte vorher mit vielen Drohnen geübt werden. Ich persönlich nutze diese Methode nicht. Dafür muss immer ohne Handschuhe gearbeitet werden, was je nach Sanftmut des Bienenvolkes unterschiedlich gut möglich ist.

Dabei kann man die Bienenkönigin an einem oder beiden Flügeln aufheben, das tut der Weisel nicht weh. Dies sollte aber ruhig und kontrolliert erfolgen. In der Literatur wird empfohlen, das Prozedere einfacher zu machen, indem man versucht, die Königin von hinten aufzuheben, da sie die Hand offenbar nicht kommen sehen wird. Gelingt dies nicht gleich, gib der Weisel etwas Zeit um sich zu beruhigen. Wenn die Königin zu sehr gestresst wird und herumläuft, steigen die Chancen, dass sie verletzt wird.

Einmal aufgenommen, kannst du sie in das Zeichnungsrohr geben und fortfahren wie oben beschrieben.

Es wird alternativ auch beschrieben, dass du sie an den Beinen greifen kannst und mit der Hand zeichnest. Nur erfahrene Imker bevorzugen dieses Vorgehen, da es der einfachste und schnellste Weg ist. Wenn du nicht vorsichtig genug bist, kannst du ihre Beine verletzen, da du sie nach dem Zeichnen für einen Moment festhalten musst, bis die Farbe bzw. der Kleber getrocknet ist.

Schritt 3 – Zeichnung

Für das eigentliche Zeichnen ist es wichtig, dass nur auf dem Thorax der Königin gearbeitet wird. Die Markierung auf einem anderen Körperteil der Weisel würde ihr nur schaden.

Es gibt verschiedene «Markierungsstifte» in den verschiedenen Farben zu kaufen. Daneben gibt es Plättchen im Farbschema, Plättchen mit Zahlen anstelle von Farben und Kombinationen von Beiden. Welche Variante du verwenden möchtest, hängt vom persönlichen Geschmack ab. Bei den Markierungspunkten mit Zahl oder ohne, müssen diese auf den Thorax der Königin geklebt werden. In der Regel können die Plättchen in Sets mit schnelltrocknendem und ungiftigem Klebstoff gekauft werden.

Egal, für welche Variante du dich entscheidest, ist es wichtig, die Farbe oder den Klebstoff ausreichend Zeit zum Trocknen zu lassen, bevor du die Weisel wieder zurück in ihr Bienenvolk bringst. Sonst riskierst du, dass die Bienenkönigin aufgrund ihres ungewöhnlichen Geruchs nicht mehr angenommen oder getötet wird. Ist die Farbe oder der Kleber nicht ausreichend getrocknet, können die Arbeiterinnen die Farbe oder der Klebstoff auch von Ihrer Königin entfernen. Deshalb solltest du ca. 1-2 Minuten warten.

Schritt 4 – Freilassen

Während der kompletten Zeichnung der Weisel ist äußerste Vorsicht angesagt. Dies gilt auch für das Freilassen bzw. zurücksetzen ins Bienenvolk. Lass sie ruhig auf einer Wabe zurück in den Stock gehen und pack die Wabe erst zurück, wenn due Köngin wieder im einer Gruppe Ammenbienen in der Mitte der Wabe angekommen ist.

Zusammenfassung

Die Zeichnung von Bienenköniginnen ist hilfreich, um sie bei Durchsichten leichter zu finden. Welche Zeichnungsmethode du letztendlich bevorzugst, ist eine Frage des persönlichen Geschmackes. Meine Empfehlung: Probiere verschiedene Werkzeuge und Techniken an Drohnen aus, um herauszufinden, welche Methode am besten zu dir passt.

Alle vorgestellten, verschiedenen Werkzeuge sind in der Anschaffung nicht allzu teuer und können im örtlichen Imkerverein sicherlich auch ausgeliehen werden. Das Zeichnen der Königinnen braucht einige Zeit (besonders bei vielen Bienenstöcken) und Erfahrung.

Es bringt aber wirkliche Vorteile. Für die regelmässige Inspektionen ist es nicht zwingend notwendig, die Königin jedes Mal zu sehen. Aber für den Fall, dass du einen guten Überblick über alle Völker und Bienenköniginnen behalten willst, wird das Zeichnen deine tägliche Arbeit mit den Bienen definitiv erleichtern.

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  1. du kannst dafür das Rohr vorsichtig schütteln []

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